Anläßlich der Web 2.0 Expo in Berlin nannten Journalisten von Standard und Orf Futurezone das Web 2.0 am Ende? Doch welche Bedeutung haben diese und ähnliche Statements wirklich für Unternehmen? Hier gibts eine mögliche Antwort auf diese Frage..
Aus der Sicht von Tim O’Reilly impliziert Web 2.0 automatisch die Gestaltung des Geschäftsmodelles. O’Reilly erklärt Web 2.0 kurz und prägnant: .. Web (as the network) is the platform.., ..on a network as a platform the rules for business are different, .. .. users add the value .. so figure out, how to build databases, that get better the more people use them .. makes the secret source of every Web 2.0 Company.
Nach einer gedanklichen Analyse dieses Statements und einer Reflektion auf die EBusiness Literatur stellt sich mir die folgende Frage: Was das nicht schon immer so?
Erfolgreiche Parade-Unternehmen wie Google, Ebay oder Amazon bauen doch genau darauf auf? Kein Wunder, hat doch auch O’Reilly seine Prinzipien partiell vom Erfolg dieser Unternehmen abgeleitet. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist im Hinblick auf die Web-Ökonomie bedeutend, das Web die Eintrittsbarrieren und daher auch die Eintrittskosten in den neuen Markt für Newcomer erhöht, wenn bereits Unternehmen gibt, die in einem bestimmten Segment umfassende Datenbanken aufgebaut haben. Der Markt konsolidiert sich. Viele Web 2.0 Start-Ups, die genau in diese Segmente drängen, sterben – nicht ohne Grund. Das Web tendiert zur Monopolisierung, Orte gibt es keine, jedoch kulturelle Unterschiede zwischen den Nationen, deren Bewohner auf das Internet zugreifen können. Die Chance für neue Unternehmen besteht nun darin, Nischenmärkte zu finden und diese erfolgreich zu bedienen.
Werbung mag ein gutes Mittel zu sein, um sein Geschäft zu finanzieren, da wohl niemand so richtig am Web für Inhalte oder Dienste bezahlen möchte. Die User wandern dann einfach zu einem Anbieter ab, der Ähnliches zur Verfügung stellt. Auch das ist nicht neu – wir kennen es bereits vom Privatfernsehen. Pay-Per View-Geschäftsmodelle finden bisweilen längst nicht so viele Anhänger, wie erwartet, man denke hierbei an Premiere. Zurück zum Web plant sogar XING bereits, seine Premium Services durch Werbung zu ergänzen.
Warum ist Web 2.0 trotzdem interessant für Unternehmen? Web 2.0, bzw. der Einsatz von Social Media in und um Unternehmen ist und bleibt das spannendere Thema. Die effiziente und effektive Erreichung vom organisatorischen Ziele mit der Hilfe von Social Media steht im Vordergrund.
Prof. Klaus Tochtermann beschreibt es sehr treffend in seinem Interview: „Wer nicht kollaboriert, kollabiert!“. Unternehmen können auf einfach zu bediende Tools für das Wissensmanagement zurückgreifen. Wissen zu explizieren ist „in“ – nicht nur am Web, obwohl es wieder der Vorreiter für Veränderungen ist, die auch in Unternehmen geschehen.
Auch große Unternehmen wie Microsoft oder IBM leisten sich seit einigen Jahren interne Blogosphären, die meisten sind bottum-up entstanden und werden regional und thematisch unterschiedlich, formell durch die Leitungsebene unterstützt. Mitarbeiter vernetzten sich durch das Explizieren ihres Expertenwissens mit anderen und generieren für sich und andere einen Wert, der ohne die technische Realisierung mit Hilfe von Weblogs nicht möglich gewesen wäre. Doch nicht nur in großen multinationalen Konzernen macht der Einsatz von Social Media Sinn. Auch KMUs können dadurch profitieren.
Wie erkennbar ist, offenbart das Web 2.0 dem Wissensmanagement einen neuen Aufwärtstrend. Wissen teilen ist wieder „in“.